Sekten

   


Sekten

Ein Thema, das bei alternativen Religionsformen gerade in Deutschland stark in die Öffentlichkeit gerückt wurde, ist das Thema Sekten. Deshalb sollen auch hier einige Gedanken darüber verloren werden.


Wer dieses Thema mit vorurteilsfreiem Geist untersucht, stellt fest, dass es offensichtlich zwei völlig verschiedene Definitionen für dieses Wort "Sekte" gibt:

  • Die Duden- oder Lexikon-Definition: Sekte stammt ab vom mittellateinischen Begriff 'secta' = der befolgte Grundsatz, die Richtlinie, die Partei, die philosophische Lehre. Dieses Wort gehört zum Stamm 'sequi' = folgen, als Partizipium: 'sectum' = befolgt; wir finden es noch im Wort konsequent vor. Die Ableitung des Wortes 'Sekte' vom lateinischen secare = schneiden, trennen (vgl. Insekt) hat zwar vordergründig etwas Naheliegendes, jedoch wird diese Etymologie heute als falsch eingestuft.
    Wie dem auch sei, der ursprünglich neutrale Begriff 'Sekte' wurde von den Staatskirchen zur Bezeichnung von Gruppen verwendet, die in ihrer Lehre und ihrer kultischen Praxis von der herrschenden Mehrheit abwichen. Deshalb wird beispielsweise in der Apostelgeschichte das Christentum aus jüdischer Sicht als Sekte bezeichnet: "Diesen Mann (Paulus) haben wir als eine Pest kennengelernt, als einen Aufruhrstifter unter allen Juden in der ganzen Welt und als einen Hauptführer der Sekte der Nazoräer." (Apg. 24, 5) und in Kapitel 28, 22 "denn von dieser Sekte ist nur bekannt, daß sie überall Widerspruch findet." So begann also auch das Christentum als eine kleine Sekte, überlebte die vielen Anschuldigungen, Verdächtigungen, Vorwürfe und Verfolgungen und wuchs schließlich heran zu einer mächtigen Staatskirche, wodurch es ihr möglich wurde, nun auf andere, neue religiöse Impulse das gleiche Prinzip anzuwenden, unter dem sie selbst einmal in ihrer Kindheit zu leiden hatte.
    Es ist nicht logisch, aber Eltern fügen Kindern häufig gerade das zu, woran sie selbst in der Kindheit am meisten litten. Der Gebrauch des Wortes Sekte wird also vor allem durch Größe und Macht determiniert. Darüber hinaus macht dieses Wort keinerlei inhaltliche Aussage, die über das hinausgeht, daß es eine Gruppe bezeichnet, die – konsequent – einer Lehre nachfolgt.
    Will man darüber hinaus noch den Aspekt der Abspaltung hineinnehmen – wobei man in diesem Fall jene als unrichtig bezeichnete Etymologie benützt – so ist folglich jede reformatorische Bewegung eine Sekte, denn sie spaltet sich von ihrer Mutterlinie ab. Es ist nun Mode geworden, den an sich recht schlichten und neutralen Begriff Sekte je nach Absichtlichkeit und Zielsetzung neu zu definieren und ihn dabei mit anderen, meist negativ geladenen Begriffen zu koppeln, wie z.B. intolerant, fanatisch, leitfigurabhängig, freiheitsberaubend, geldgierig, lebensfeindlich etc. Diese willkürliche Koppelung negativer Adjektive an einen wertneutralen Begriff versucht man dadurch zu legalisieren, daß man auf Beispiele verweist, die solche Koppelung rechtfertigen. Ein Trick, mit dem man in vielen Bereichen Meinung manipuliert. Natürlich kann man überall Fehler und Unrecht finden, aber eben überall; dies erlaubt keine Generalisierung.
    Natürlich mag es hie und da einen bösartigen Priester geben – aber nicht alle Priester sind deshalb bösartig; natürlich gibt es hie und da korrupte Politiker, aber deshalb sind noch lange nicht alle Politiker korrupt. Natürlich gibt es hie und da fanatische Religionsgruppen, aber deshalb sind nicht alle Sekten fanatisch. Aus diesem Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten:
    entweder man folgt blind vorgefertigten Klischees oder man macht sich die Mühe, sich selbst im Einzelfall ein gültiges Bild zu machen. Denken schadet dem Menschen auffallend selten – wiederkäuen ist ein Vorrecht der Kamele und Rinder (bovinae – Unterfamilie der Horntiere).
    P. S. Die warnen am lautesten vor Manipulation, die selbst so kräftig und gerne manipulieren! (zitiert aus: Kawwana)

  • Die durch die beiden grossen christlichen Kirchen gelieferte Definition: Diese Definition, die sich nicht nur durch-, sondern in den Köpfen der meisten Menschen festgesetzt hat, impliziert (oftmals ohne dies konkret ausgesprochen zu haben): Ausbeutung (z.B. finanzieller Art), Gehirnwäsche / ungewollte Bewusstseinsveränderung, ein eingeschränktes oder manipulatives Gottesbild, die Exklusivität des alleinseligmachenden Heilsversprechens dieser speziellen Gruppe.

Die Einladung zu einem Meditationsabend wird von manchen Menschen mit der Frage beantwortet: "Ist das eine Sekte?" Die hiermit ausgesprochene Befürchtung besteht wohl darin, innerhalb kürzester Zeit (1 - 2 Stunden) von einer übelwollenden Organisation eine so komplette Gehirnwäsche zu erhalten, dass man dieser Organisation ausgeliefert ist. Welch ein erschreckendes Zeugnis viele Menschen sich, ihrem Selbstvertrauen und Urteilsvermögen ausstellen, ist ihnen wohl kaum klar; interessant ist die Tatsache, dass dieselben Menschen, die sich selbst diese Kriterien absprechen, vom "mündigen Bürger" sprechen, und durch ihre Stimmabgabe Entscheidungen mitfällen möchten, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben von 80 Mio. anderen Deutschen betreffen.


Doch betrachten wir die Organisationen, die den üblichen Begriff von Sekte definiert haben, unter ihren eigenen Kriterien:

  • Ausbeutung: Hier haben es sich die katholische und evangelische Kirche besonders einfach gemacht. Nicht sie selbst, sondern der Staat sorgt für die finanzielle Ausbeutung ihrer Mitglieder, über die Kirchensteuer fliessen Milliardenbeträge einer Organisation zu, die zu den Reichsten weltweit gehört, während gleichzeitig viele der oft älteren Steuerzahler mit ihrer Rente in den heutigen Tagen gerade so über die Runden kommen.
    Gravierender hingegen ist die Tatsache, dass diese immens reiche Organisation aus Steuergeldern derzeit den Steuerzahlen mehr als 15 Mrd. Euro jährlich kostet (Quelle: Infoblatt des Bundes für Geistesfreiheit), d.h. eine "Zwangsabgabe" sogar für diejenigen, die dieser Sekte nicht angehören! (D.h. auch als Nicht-Kirchensteuer-Zahlen haben Sie diesen Konzern in seit der Wiedervereinigung mit über 2.800 Euro unterstützt - über Ihre Steuern. Vor der Wiedervereinigung (60 Mio. statt 80 Mio. Einwohner zugrunde gelegt) hat Ihnen dieser "Spaß" etwa 2.500 Euro alle 10 Jahre gekostet!!
    Davon könnten sich die angeblichen "Psychosekten" wirklich ein Stück abschneiden, eine perfektere, skrupellosere Ausbeutung hat es in den vergangenen 2000 Jahren nicht gegeben!

  • Gehirnwäsche: Wie perfekt die Strategie der beiden grossen Amtskirchen in diesem Bereich funktioniert, zeigen viele Indikatoren.

    • Z.B. leiden viele Menschen (oft ohne dass es ihnen selbst bewusst ist) unter den Schuldzuweisungen, die durch die Konzepte von Urschuld/Sündenfall und Sünden an sich mit Vergebung durch eine Institution (= Kirche) erzeugt wurden, oft ohne dass diesen Menschen dies bewusst ist. Dadurch geben diese Menschen ihre Macht ab an den Vermittler Gottes, ein Effekt, der zwar auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, aber logisch ist. Denn mit ihrer Macht geben diese Menschen auch die Verantwortung über ihr Leben ab - und behalten sich damit die Ausrede der höheren Macht bei Misserfolg vor, womit sie sich einen kleinen Rest an Selbstachtung erhalten können, auch wenn sie in allem Scheitern. Der Fehler dabei ist, dass sie ihre Selbstachtung aus ihren Errungenschaften, Eigenschaften und Erfolgen messen, statt an der ihnen eigenen göttlichen Natur ihrer Seele!

    • Auch scheint fast niemandem aufzufallen, dass die fast magische Anziehungskraft, die Jesus auf die Massen seiner Zeit ausgeübt hat, wohl kaum von einem traurigen, leidenden Menschen herrühren können, sondern nur von einem von Freude, Liebe und Licht erfüllten Menschen stammen kann.

    • Die sensationellen Funde in den Höhlen von Qumran, in einem indischen Kloster und wissenschaftlicher Forschung zeigen mit nahezu 100 % iger Klarheit, dass Jesus nicht nur die Kreuzigung überlebt hat und den danach nicht mehr offiziell dokumentierten Teil seines Lebens im Osten lebte, sondern darüber hinaus, dass die Bibel auf skandalöse Weise im Interesse einer machtgierigen Organisation verfälscht und entstellt wurde.

    • Viele Christen ignorieren diese Erkenntnisse wohl in dem Glauben, dass ihnen damit die Grundlage ihres Glaubens entzogen würde, wie ihnen ihre Kirchenobrigen weismachen wollen, die den Kreuzigungstod und die Auferstehung von Jesus als die Grundlage ihres Glaubens sehen, und dabei ignorieren, dass Jesus selbst sehr klar diese Grundlage gelegt hat mit den beiden Geboten: "Liebt den Herrn, Euren Gott, mit all eurer Seele, all eurer Kraft" und "Liebt den Nächsten wie euch selbst." Die Macht der Ausführung dieser Gebote ist unabhängig von dem angeblichen Wunder der Auferstehung von Jesus und kann von jedem selbst erfahren werden.

    • Jesus hat sich selbst als Menschensohn und Gottessohn bezeichnet. In Ignoranz des ersten Begriffs wurde von den Kirchen die zweite Bezeichnung als Grundlage seiner Besonderheit herangezogen, und stellt Jesus damit auf eine Stufe, die der normale Mensch nie erreichen kann. Gleichzeitig sagt Jesus aber auch: "Ihr seid Götter" und bezeugt damit, dass auch wir diese Göttlichkeit in uns haben (nur noch nicht vervollkommnet), und "ihr seid alle Kinder Gottes". Niemand konnte mir bisher erklären, worin (ausser dem Geschlecht) der Gottessohn sich von dem Kind Gottes unterscheiden könnte. Auch sagt er, dass wir überwinden müssen, "so wie auch ich überwunden habe". Also sagt auch Jesus, er habe diesen menschlichen Zustand (der Identifikation mit dem Körper?) überwunden, und wir können gleiches tun.

  • Eingeschränktes / manipulatives Gottesbild: Ein Gott, der unsere Buße braucht, der (wie in einigen Kapiteln des alten Testaments deutlich zum Ausdruck kommt) darüber hinaus Gefühlen von Zorn und Rache unterworfen ist, mag eine Art "Supermensch" sein, Gott ist er jedoch nicht. Genau dieses Bild kommt jedoch in dem Konzept von Schuld, Sünde, Buße und Sündenerlass zum Ausdruck. Gott vergibt uns unsere Sünden bei entsprechender Bussfertigkeit, ist also manipulierbar!! Gott ist Liebe, ist Freude, wie kann dieser Gott rachsüchtig, zornig sein, und uns nur lieben, wenn wir "kuschen"? Eine unglaubliche Anmassung, die im indischen gänzlich anders dargestellt wird: Gott als bedingungslose Liebe liebt uns unter allen Umständen, und nur unsere eigenen Bemühungen entscheiden, inwieweit wir zulassen (wollen), diese Liebe (die immer und ständig in uns ist), zu spüren.
    Um es nocheinmal klar auszudrücken: wir erfahren, was wir selbst zulassen. Öffnen wir uns ganz dieser göttlichen Kraft (und beseitigen damit unser Ego komplett - oder dehnen es in die Endlosigkeit aus, was den gleichen Effekt hat), so erreichen wir den Zustand, den wir Erleuchtung, Christus-Bewusstsein oder Nirwana nennen.

  • Exklusivität: Immer noch bzw. erst jüngst wieder wurde vom Papst bestätigt, dass nur die katholische Religion die Menschen zu Gott führen könne. (Auch dies zeigt wieder das eingeschränkte Gottesbild, der nur "sein" Volk kennt). Nicht nur, dass damit die Kirche genau ihre eigene Definition einer Sekte erfüllt, darüber hinaus berichten viele ehemalige Christen übereinstimmend, dass viele Aussagen der Bibel erst nach gründlichem Studium der östlichen Lehren (Upanishaden, Veden, etc.) einen tiefgreifenden Sinn bekämen. Woher kommt dieses plötzliche Verständnis? Es ist offensichtlich, dass es durch die diesen eigene Definition sowohl nur 1 Gott als auch nur 1 letztendliche Wahrheit geben kann. Erleuchtete Menschen jeder Rasse und jedes Zeitalters müssen zwangsläufig bei tiefem Studium auf diese selben Wahrheiten stossen. Warum sollte es also diesen nebulösen christlichen Gott stören, dass seine "Verehrer" ihn Allah, Brahma, Buddha, Sai Baba oder anders nennen, statt "Gott"? Wird er nicht vielmehr in die Herzen der Menschen schauen, ob diese von Liebe erfüllt sind? (Dies alles vorausgesetzt, dass man Gott als externe Instanz wahrnimmt, statt ihn als die göttliche Energie, von der per Definition jedes und alles erfüllt ist (= Allgegenwart), im eigenen Inneren wahrzunehmen.)






Bei Gaurahari (siehe Links-Seite) wurde folgender interessante Bericht der Bundesfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zum vieldiskutierten Thema angeblich gefährlicher Sekten gefunden: (Formatierung vom Autor!!)

PRESSEMITTEILUNG

NR. 0359/98 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Datum: 04.06.98

Sekten und Psychogruppen

Zum Endbericht der Enquête-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" erklären die Kommissionsmitglieder Dr. Angelika Köster-Loßack, MdB, und Prof. Dr. Hubert Seiwert, Universität Leipzig:
Die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" hat in diesen Tagen ihren Abschlußbericht verabschiedet. Wir haben diesem Bericht nicht zugestimmt und ein Sondervotum vorgelegt. Die von der Kommission in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen eindeutig und übereinstimmend, daß von neuen religiösen und weltanschaulichen Bewegungen generell keine Gefahren für den einzelnen, die Gesellschaft oder den Staat ausgehen. Die Risiken, die im Einzelfall bestehen können, unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen, die auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen bestehen. Dieser eindeutige Befund darf nicht durch den Verweis auf Scientology verschleiert werden. Wir haben deshalb in unserem Sondervotum die problematischen Aktivitäten von Scientology gesondert behandelt.
Die Kommissionsmehrheit schlägt mit ihren Handlungsempfehlungen eine Vielzahl gesetzgeberischer Maßnahmen vor: Dazu zählen die Änderung des Vereins- und Steuerrechts, die Verschärfung des Wucherparagraphen, ein Gesetz zur "gewerblichen Lebensbewältigungshilfe" und die staatliche Förderung privater Beratungsstellen. Damit wird der Eindruck erweckt, bei neuen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften und "Psychogruppen" handele es sich um hochproblematische und gefährliche Erscheinungen. Ein solcher gesetzgeberischer Aktionismus läßt sich aus den Untersuchungsergebnissen in keiner Weise begründen. Wir konnten deshalb diesen Handlungsempfehlungen nicht zustimmen. Unsere eigenen Vorschläge beziehen sich unter anderem auf Maßnahmen zur Konfliktreduzierung durch Vermittlungsstellen, die Förderung der religiösen und weltanschaulichen Toleranz sowie die Unterstützung wissenschaftlicher Forschung.
Die Kommissionsmehrheit aus CDU/CSU, FDP und SPD konnte bei der generellen Bewertung des Phänomens der neuen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften und der Psychogruppen keine Einigung erreichen. Die Vertreter der SPD sehen in diesen Organisationen eine Bedrohung der Stabilität des demokratischen Staates. Dagegen stellen CDU/CSU und FDP fest, daß religiöse und weltanschauliche Minderheiten "derzeit keine Gefahr für Staat und Gesellschaft" darstellen. Damit erweist sich die vermeintliche "Einmütigkeit" der Kommissionsmehrheit als Illusion und bloße Außendarstellung.
Wir begrüßen es ausdrücklich, daß CDU/CSU und FDP bei der Einschätzung angekommen sind, die wir bereits in unserem Sondervotum zum Zwischenbericht der Kommission formuliert haben. Angesichts der heftigen Polemiken gegen dieses Sondervotum halten wir dies für einen bemerkenswerten Lernprozeß. Wir bedauern, daß sowohl CDU/CSU und FDP ebenso wie die SPD es nicht für notwendig erachten, die Öffentlichkeit in unmißverständlicher Form über die Ergebnisse der von der Kommission in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Untersuchungen zu informieren.
Wir referieren deshalb diese Forschungsergebnisse in unserem Sondervotum. Insgesamt handelt es sich um sechs, zum Teil sehr umfangreiche Untersuchungen. Den Versuch der CDU/CSU, die Beschreibung dieser Forschungsergebnisse als bloße Meinung zweier Kommissionsmitglieder abzutun, weisen wir entschieden zurück. Es ist dies ein durchsichtiger Versuch, von den tatsächlich vorliegenden Erkenntnissen abzulenken.
Für skandalös halten wir es, daß die Ergebnisse einer groß angelegten empirischen Untersuchung, die von der Kommission in Auftrag gegeben wurde, im Mehrheitsbericht nicht referiert, sondern im Anhang versteckt werden. Die Mehrheit von CDU/CSU, SPD und FDP will damit eindeutige Forschungsergebnisse abwerten. Die übrigen Untersuchungsergebnisse werden im Mehrheitsbericht - mit Ausnahme der Untersuchung zum "Psychomarkt" - nur in einseitig sehr verkürzter Form referiert. Statt dessen befaßt sich der Mehrheitsbericht auf breitem Raum mit hypothetischen Erörterungen über "psychische Manipulation" und "Konfliktpotentiale", die in einem eklatanten Widerspruch zu den tatsächlichen Befunden stehen.
Wir konnten dem Mehrheitsbericht auch deshalb nicht zustimmen, weil er weitere umfangreiche Teile enthält, die den tatsächlichen Erkenntnissen widersprechen. Dies gilt insbesondere für die Konfliktanalyse.
Trotz verbaler Einschränkungen wird konsequent darauf verzichtet, die bestehenden Konflikte unter Berücksichtigung aller Konfliktparteien zu analysieren. Auch der Umstand, daß einige Kommissionsmitglieder selbst in Konflikte mit neuen religiösen und weltanschaulichen Bewegungen verwickelt waren, rechtfertigt nicht diesen "Einbahnstraßenweg", die Ursache von Konflikten einseitig der Gegenseite zuzuschreiben. Es ist nicht nur ein Gebot der intellektuellen Redlichkeit, sondern auch der politischen Glaubwürdigkeit, die Argumente aller Konfliktparteien angemessen zu berücksichtigen. Dies gilt auch dann, wenn es sich auf der anderen Seite um Vertreter von Minderheiten handelt. Es ist unerfindlich, worin das "hohe politische Konfliktpotential" besteht, das die Kommissionsmehrheit bei "einzelnen Gruppen" feststellt. Mit Ausnahme von Scientology bleibt offen, welche "einzelnen Gruppen" gemeint sein könnten. In dem Mehrheitsbericht werden dazu keine Ausführungen gemacht - es sei denn, der Befund, daß einzelne religiöse und weltanschauliche Gruppierungen von ihren Gegnern kritisiert werden, gelte als Nachweis eines politischen Konfliktpotentials. Mit gleichem Recht kann man in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere bei Parteien, ein hohes "politisches Konfliktpotential" feststellen.
Die Behauptung, "gezielt kriminelles Handeln und Verhalten" sei feststellbar (Teil 6.1. des Mehrheitsberichts), ist gleichfalls nicht durch Erkenntnisse der Kommission gedeckt. Wir halten es für politisch fahrlässig, durch unklare Formulierungen an latente gesellschaftliche Vorurteile gegenüber religiösen und weltanschaulichen Minderheiten zu appellieren. Massive und strafrechtlich relevante Vorwürfe müssen konkretisiert werden, weil sonst jeder gemeint sein kann. Damit wird der gesamte Bereich der neuen religiösen und weltanschaulichen Minderheiten einem unzulässigen Generalverdacht ausgesetzt.



Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Pressestelle
Hochhaus Tulpenfeld 1408
53113 Bonn
Telefon: 0228/16-4 72 12/4 72 13
Fax: 0228/16 4 69 62
E-Mail: presse@gruene-fraktion.de



Zurück zu Home