Gesundheit

   


Ayurveda

Ayurveda, die Wissenschaft vom gesunden Leben, ist ein jahrtausendealtes Gesundheits- und Heilungssystem, das in Indien entwickelt wurde. Ziel des Ayurveda ist die Ausgleichung der Persönlichkeitstypen (Doshas). Es gibt 3 Doshas: Vata (den Luft-Typ), Pitta (Feuer) und Kapha (Erde). Liegt bei einer Person eine sehr starke Übergewichtung eines Doshas vor, kommt es zu negativen körperlichen Reaktionen und zur Krankheit.

Eine der grundlegenden Anwendungen des Ayurveda ist die "Panchakarma"-Kur. Diese Reinigungskur soll dabei helfen, alle Arten von Giftstoffen aus dem Körper auszuleiten und die Doshas in Balance zu bringen.





Atmasantulana Village

Atmasantulana Village bzw. die Shri Balaji Health Foundation liegen zwischen Bombai (Mumbai) und Poona (Pune) an der Westküste Indiens. Das Village ist die größte ayurvedische Klinik Indiens. Für indische Verhältnisse ist die Lage recht ruhig, man hört trotzdem noch das Rauschen des Verkehrs.

Erfahrungen des Autors:
Im Frühjahr 2003 habe ich eine 15-tägige Panchakarma-Kur gebucht. Grund waren folgende "Beschwerden", bei denen ich die Möglichkeiten des Ayurveda ausloten wollte:

  • Zahnfleischbluten: Seit einer Zahnfleischentzündung im Frühjahr 2001 hatte ich beim Zähneputzen ständig Zahnfleischbluten, was sich zwar durch die Einnahme der Aloe-Vera-Produkte von Forever Living Products (FLP) deutlich gebessert hat, aber nicht ganz behoben wurde. Diese Beschwerden hätte ich wohl durch eine 100 %-ige Rohkosternährung beheben können, was jedoch sozial recht isolierend ist.

  • Verdauung: Meine Verdauung ist zwar gut, jedoch die Nahrungsauswertung bescheiden. Dies hat sich auch durch Rohkosternährung nicht verändert.

  • Kurzsichtigkeit: Seit ca. 1978 habe ich rechts 3,5 Dioptrien, links seit etwa 1 - 2 Jahren 0,5 Dioptrien. Dies hat sich auch durch Rohkosternährung nicht verändert.

  • Mitralklappenprolaps: Durch eine leichte Herzklappenanomalie kommt es hin und wieder zur Extrasystolen (Aussetzern), was sich zwar durch Rohkosternährung enorm verbessert hat (incl. der körperlichen Belastbarkeit), jedoch nicht einwandfrei ist.

  • Ablauf der Kur: Im Laufe der 15 Tage bekommt man mehrere Steam-Anwendungen (eine Art "Sauna", wobei man vorher mit medizinischem Öl eingerieben wird, die Temperatur zwischen 45 und 50 Grad Celsius liegt, die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist, und der Kopf im Freien bleibt), 2 Ganzkörper-Massagen, trinkt 3 - 4 Tage morgens Ghee (gereinigte Butter) zum Binden nicht-wasserlöslicher Giftstoffe im Körper und hat einen Abführtag.

  • Ernährung: Die Ernährung ist ayurvedisch-frischkostarm. Es wird keine Anpassung der Ernährung auf den Typ betrieben, was zu dem Paradoxon führen kann, dass man zwei Wochen Dal (ein Linsengericht) bekommt, und dann als Ernährungsvorschlag am Ende der Kur mitgeteilt bekommt, man solle keine Linsen essen. Zum Frühstück bekommt man Puffreis mit Milch und Rohrzucker, dazu Tee und heißes Wasser (dieses bekommt man zu jeder Mahlzeit). Wer mag, kann ein "Stamperl" Kuhurin zu sich nehmen. Mittags bekommt man ein indisches Thali mit Dal, Chapatti (dünne Brotfladen), 2 Gemüsearten, Reis mit Ghee und etwas Salat. Zum Nachmittagstee gibtīs wieder den Puffreis mit Milch und Rohrzucker, und zum Abendessen werden 2 verschiedene Suppen serviert. An den Tagen, an denen man morgens Ghee trinkt, sind Mittag- und Abendessen vertauscht.

  • Therapie: Die Therapeuten sind größtenteils aus Deutschland, die Therapien sind sehr gut. Interessant war die Erfahrung, dass Masseure, die die Massagen gerade neu gelernt haben, von mir (und anderen Gästen) als äußerst wirkungsvoll empfunden wurden, während "routinierte" Therapeuten eher zur Enttäuschung beitrugen. Es findet nur max. 1 Therapie pro Tag statt (im Gegensatz zu anderen Kliniken, bei der teilweise mehrere täglich stattfinden). Der Wellness-Faktor ist also diesbzgl. sehr niedrig, Dr. Tambe antwortete auf eine entsprechende Anfrage, dass der Körper so viel Zeit benötigen würde, um die Anwendungen zu verarbeiten, und man nur die medizinisch sinnvollen Anwendungen bekommen würde. Fragwürdig ist hier für mich vor allem, dass keinerlei Anpassung an die Konstitution des Patienten erfolgt, eine 80-jährige Frau bekommt i. allg. die gleichen Anwendungen in der gleichen Reihenfolge wie ein 25-jähriger Mann.

  • Finanzielle Aspekte: Man muss mit ca. 50 Euro (incl. Aufenthalt) pro Tag rechnen, je nach Dauer der Kur und Klasse der Unterkunft etwas mehr oder weniger. Arztkonsultationen müssen extra bezahlt werden, ebenso die Medikamente während und nach der Kur. Besonders bei den Medikamenten während der Kur und den Arztkonsultationen scheint mir dies sehr kleinlich zu sein, handelt es sich doch dabei um wenige Euro, was in dem für indische Verhältnisse hohen Preis mit enthalten sein sollte.

  • Unterkünfte: Die Spanne der Unterkünfte reichte von westlichem Standard (sehr schön) bis zu typisch indisch (aber sauber). Selbst in hochpreisigen Unterkünften ist es empfehlenswert, sich mehrere zeigen zu lassen, da hier nochmals enorme Qualitätsunterschiede bestehen. Wer es schön möchte, sollte kein Zimmer der Kategorie X oder niedriger buchen.

  • Tagesablauf: 7.15 Uhr Hatha-Yoga, ca. 8.15 Ausgabe der Therapiekarten für den Tag und Frühstück, manchmal ca. 9.15 Stotra-Kurs (ähnlich Mantren), 10 Uhr Mantra-Heilungs-Meditation (meist ohne Anwesenheit von Shri Balaji Tambe, teilweise vom Band), 11 Uhr - ca. 12.30 Uhr Vorträge (oft vom Band und Video, teilweise mit Anwesenheit von Shri Balaji Tambe innerhalb der letzten 30 - 45 Minuten), 12.30 / 13.00 Mittagessen für Diät / nicht-Diät, 17 Uhr Tee, 19 Uhr - ca. 20.30 Uhr Meditation (meistens vom Band, sporadisch mit Anwesenheit von Shri Balaji Tambe in den letzten 30 - 45 Minuten), ca. 20.30 Abendessen.

  • Nachdenkenswertes: Meine Erfahrungen und die anderer Kurteilnehmer sollen hier nicht unerwähnt bleiben - nicht, um irgendetwas zu verurteilen, sondern um dem Interessenten mitzuteilen, worauf er sich einstellen muss:
    - Finanzielles: Einem Kurteilnehmer wurde bei Ankunft am Flughafen in Indien sein Geld gestohlen. Obwohl er von Deutschland aus bereits über 50 % der Kurkosten vorausbezahlt hatte, durfte er nicht mit der Kur beginnen, bevor er nicht 100 % bezahlt hatte. Darüberhinaus musste er in einem rel. teuren Zimmer nächtigen, da man ihm aufgrund seiner Erkrankung (Hepatitis A) kein Zimmer mit Gemeinschaftbad und -dusche geben wollte. Ein von ihm gewünschter Umzug in mein (billigeres) Zimmer wurde damit kommentiert, dass er wohl umziehen könne, ihm jedoch die finanzielle Ersparnis nicht ausbezahlt werde. Für seine nachträgliche Überweisung der Kurkosten, die er höher angesetzt hatte, um nach dem Diebstahl Bargeld zu haben für einen anschliessenden weiteren Indien-Aufenthalt wurden ihm 26 Euro Verwaltungskosten berechnet.
    - Pausen: Den Patienten wurde mitgeteilt, dass ein Reisetag während der Kur (z.B. am therapiefreien Donnerstag) mit 2 Tagen Therapie-Pause danach "geahndet" wird, obwohl diese Therapie ja vom Patienten bezahlt wurde. Sogar eine Riksha-Fahrt solle so anstrengend sein, dass man danach einen Tag Pause machen müsse, ebenso entfällt die Therapie bei Krankheit (ohne später nachgeholt zu werden).
    - Menstruation: Frauen habenīs besonders schwer: Während der ersten 3 Tage der Menstruation werden keine Therapien durchgeführt (obwohl dafür bezahlt wurde), es ist kein Tempelbesuch (Meditation) erlaubt und sie müssen getrennt essen.
    - Verhalten des therapeutischen Personals 1: Frauen während der Menstruation müssen darauf gefasst sein, dass Mitglieder der therapeutischen Personals schockartig von ihnen zurückweichen, wenn sie erfahren, dass sie gerade in der Menstruation sind (siehe zur Reaktion des Personals auch den nächsten Punkt) - für indische Verhältnisse ist es üblich, Frauen in dieser Zeit als "unrein" zu betrachten, für uns Westler ist das Verhalten doch eher ungewohnt.
    - Verhalten des therapeutischen Personals 2: Wer zuviel isst, kann von einem Mitglied hören: "Endlich jemand mit Verdauungsfeuer", vom anderen jedoch "Sie haben wohl einen Bandwurm". Wer weiß, welche Macht Gedanken und Worten innewohnt (siehe bei diesem Link unter "Mentaltraining"), sieht letztere Bemerkungen - vor allem bei therapeutischem Personal - sehr kritisch!
    - Verhalten des therapeutischen Personals 3: Dies erscheint mir teilweise sehr dogmatisch, besonders wenn einem immer wieder gesagt wird, wie Obst den Körper übersäuern würde (was sich innerhalb von Minuten durch einen Test eines Rohköstlers mit Hilfe eines Indikatorstreifen wiederlegen lässt, während ich diesen Test mit der ayurvedischen Ernährung nicht gesehen habe - wobei ich mir sicher bin, dort wesentlich mehr Säure auf dem Streifen zu sehen), und wie schwer es verdaulich sei (was sich mit dem Pulstest und der Müdigkeit nach dem Essen ebenfalls spielend widerlegen lässt). Man gewinnt teilweise den Eindruck, dass sie nach dem altbekannten Motto leben: "Meine Meinung steht fest, verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen". Interessant dabei ist, dass Shri Balaji Tambe sich dagegen eher tolerant in den Gesprächen zeigt, und sogar vor Jahren eine Panchakarma-Kur mit der ausschliesslichen Ernährung mit Weintrauben angeboten hat!! "Regeln zerstören den Geist" war eine häufige Aussage Yoganandas, und das trifft vielleicht auch hier zu.
    - Verhalten des therapeutischen Personals 4: Einige, die zu Hause keinerlei Verdauungsprobleme hatten, konnten hier nicht auf die Toilette gehen, worauf sie pseudo-therapeutische Aussagen zu hören bekamen wie "Entspanne Dich" und "Laß los".
    - Kontrolle: Es wird protokolliert, wer an welchen Meditationen teilnimmt.
    - Therapeutische Versprechen: Von Shri Balaji Tambe wurden einige gewagte therapeutische Aussagen getroffen. Z.B. wurde einer deutschen Frau aus dem Raum Frankfurt mitgeteilt, sie würde in 3 Monaten wieder auf ihrem linken Ohr hören. Von dieser Frau habe ich leider keine Rückmeldung erhalten.
    Einem in Hongkong ansässigen Inder, der seit ca. 10 Jahren seinen Kopf nicht mehr drehen kann, wurde mitgeteilt, dass er diesen innerhalb von 6 Monaten wieder bewegen könne. Diese Aussage war nicht zutreffend. Allerdings berichtete er mir, dass seine Schmerzen diesbezüglich deutlich zurückgegangen seien.
    Und mir wurde gesagt, dass meine Sehkraft wieder besser werden würde. Dies ist bis heute nicht zutreffend.
    - Organisation der Klinik: Die Klinik ist eigentlich ein Ashram, der als Einkunftsquelle die Klinik betreibt. Davon ist leider in den Prospekten nichts zu sehen, besonders ärgerlich für den Gast (der zeitgleich mit mir die Kur belegte), der als Atheist nichts vorher davon erfährt, da in den Werbematerialien und Prospekten davon nichts zu lesen ist. Da der Tagesablauf doch recht viele spirituelle Elemente enthält, sollte auf diesen Aspekt auch hingewiesen werden.

  • Therapeutische Erfolge: Siehe auch unter Therapeutische Versprechen. Mir bekannte Erfolge beinhalten die Gewichtsabnahme und den Stop von Polyarthritis (schulmedizinisch austherapiert). Eine 76-jährige Frau, die rel. mühevoll am Stock gegangen ist, konnte nach 10 Tagen ohne Stock rel. "beschwingt" wieder gehen. Nach Ablauf der Kur ist mein Zahnfleischbluten so gut wie verschwunden, die Konsistenz meiner Verdauung ist nahezu perfekt. Dies hat sich einige Zeit danach auf einem nicht ganz so perfekten Niveau eingependelt.
    Eine Kurteilnehmerin war u.a. wegen ihrer starken Beschwerden vor der Menstruation anwesend. Nach der Kur brauchte sie zuerst 5 - 6 Wochen, um sich wieder "normal" zu fühlen - sie war schlapp, müde, und hatte praktisch kein Sättigungsgefühl. Trotz Untergewicht hatte sie dort ca. 4 kg abgenommen. Ihr Menstruationszyklus ist ca. 5 Monate nach der Kur extrem unregelmäßig (6 - 7 Wochen, vorher exakt 28 Tage), die Beschwerden sind nach wie vor vorhanden.

  • Sonstiges: Die Muße in der Klinik, die anregenden Gespräche oder auch die "Energie" waren auf jeden Fall gut genug, dass mir innerhalb von wenigen Minuten der Inhalt eines Buches klar wurde, das ich "zu schreiben habe". Dieses wird im Herbst 2004 im Verlag ViaNova erscheinen. Vorbestellungen sind möglich





SEVA Ayurveda

Eine ayurvedische Klinik in der Nähe von Bangalore. Zugetragen wurde mir die Info über einen Besucher von Atmasantulana Village.

Seine Erfahrungen damit sind wie folgt:

  • Mehrere therapeutische Behandlungen täglich

  • Tägliche Synchron-Massage mit viel Öl, wie in vielen Ayurveda-Büchern beschrieben

  • Keine Extra-Buchungen (bezahlt) nötig

  • Medikamente, auch für zuhause, sind inclusive



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